{"id":1515,"date":"2011-05-02T14:25:21","date_gmt":"2011-05-02T12:25:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bootcharter.de\/blogbuch\/?p=1515"},"modified":"2011-05-02T15:24:04","modified_gmt":"2011-05-02T13:24:04","slug":"rettet-die-wasserstrasen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bootcharter.de\/blogbuch\/?p=1515","title":{"rendered":"Rettet die Wasserstra\u00dfen!"},"content":{"rendered":"<p>Dankenswerterweise hat es die <a href=\"http:\/\/www.nv-navigator.de\/\" target=\"_blank\">Hauspostille des NV-Verlags<\/a> in ihrer letzten Ausgabe noch einmal aufgegriffen: Verkehrsminister Ramsauers finstere Pl\u00e4ne f\u00fcr die deutschen Wasserstra\u00dfen. \u00a0Die Meldung ist schon \u00e4lter, aber im Januar ziemlich unbeachtet geblieben.\u00a0Im Kern sieht der Plan vor, nur noch Wasserstra\u00dfen auszubauen, auf denen viel G\u00fcterverkehr abgewickelt wird. Die mit wenig G\u00fcterverkehr sollen\u00a0nur erhalten und die ohne G\u00fcterverkehr &#8222;entwidmet&#8220;werden. Hier\u00a0\u00a0in der &#8222;<a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/zukunft\/umwelt\/artikel\/1\/wasserstrassen-werden-wieder-fluesse\/\" target=\"_blank\">taz<\/a>&#8220; und hier \u00a0in der &#8222;<a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article12352267\/Verkehrsprojekte-sind-oft-Steuerverschwendung-Ost.html\">Welt<\/a>&#8220; kann man zwei unterschiedliche Sichtweisen auf die gleiche Meldung nachlesen. Ich will mich nicht dazu \u00e4u\u00dfern, wie sinnvoll der Ausbau von Havel oder Saale f\u00fcr gro\u00dfe Schubverb\u00e4nde ist, sondern nur zu der dritten Gruppe (kein G\u00fcterverkehr) Stellung nehmen.<\/p>\n<p>Fast alle Gew\u00e4sser, auf denen wir heute mit unseren Booten herumschippern, sind praktisch frei vom G\u00fcterverkehr: Obere Havel, Seenplatte, \u00a0M\u00fcritz-Elde-Wasserstra\u00dfe, Storkower und Teupitzer Gew\u00e4sser, Untere Havel zwischen Plaue und Havelberg: Alles Kandidaten f\u00fcr die &#8222;Entwidmung&#8220;.<\/p>\n<p>Was hei\u00dft es aber, wenn Wasserstra\u00dfen &#8222;entwidmet&#8220; werden? Zun\u00e4chst einmal, dass der Bund die Verantwortung f\u00fcr die Wasserstra\u00dfen abgibt, im Wesentlichen an die Bundesl\u00e4nder. Solange ein Gew\u00e4sser als Bundeswasserstra\u00dfe gef\u00fchrt wird, ist der Staat verpflichtet, das Gew\u00e4sser schiffbar zu halten, also die Schleusen zu erhalten und f\u00fcr eine gewisse Mindesttiefe des Fahrwassers zu sorgen. Bei der Umwandlung in Landesgew\u00e4sser entf\u00e4llt diese Verpflichtung, das Land kann dann entscheiden, ob es Geld f\u00fcr die Erhaltung ausgibt oder nicht.<\/p>\n<p>Angesichts der extrem klammen Kassen von Berlin, Brandenburg und Meckpomm bedeutet das, dass man sich \u00fcber den k\u00fcnftigen Zustand der Wasserstra\u00dfen ernste Sorgen machen muss. Klar werden auch die L\u00e4nder nicht gleich die Kan\u00e4le zusch\u00fctten und die Schleusen abbauen. Auch in Potsdam oder Schwerin wei\u00df man um die touristische Bedeutung der Gew\u00e4sser. Aber\u00a0machen wir uns nichts vor: Wenn die Verpflichtung zum Erhalt der Wasserstra\u00dfen entf\u00e4llt, wird die Versuchung gro\u00df sein, bei den Haushaltsplanungen am Etat der &#8222;unwichtigen&#8220; Gew\u00e4sser immer wieder was abzuknapsen.<\/p>\n<p>Und schon bricht die erste Schleuse mitten in der Saison zusammen. Bis Geld f\u00fcr ihre Reparatur locker gemacht wird, vergehen Jahre. In der Zwischenzeit verkrautet und verschlammt der Kanal. Die Instandsetzung w\u00e4re viel zu teuer. Also l\u00e4sst man es. Und peu a peu schrumpft das Netz der schiffbaren Wasserstra\u00dfen. Schon heute sind die (wenigen) Brandenburgischen Landeswasserstra\u00dfen &#8211; etwa der Wentowkanal oder die Ruppiner Gew\u00e4sser &#8211; in schlechterem Zustand als die Bundeswasserstra\u00dfen.<\/p>\n<p>Dazu kommt, dass manche diese Art &#8222;Renaturierung&#8220; auch noch\u00a0bejubeln. Mehr noch: wahrscheinlich wird man versuchen, das Zur\u00fcckfahren der notwendigen Investitionen von vornherein\u00a0als Naturschutzma\u00dfnahme zu verkaufen. Bei der Diskussion um den Berliner <a href=\"http:\/\/www.bootcharter.de\/blogbuch\/?tag=landwehrkanal\">Landwehrkanal <\/a>konnte man solche Argumente schon h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Das Ganze liegt im Trend. In Jahrhunderten von Generationen geschaffene Infrastruktur wird aus kurzsichtigem Sparwahn auf Verschlei\u00df gefahren und dem Verfall \u00fcberlassen. Bei \u00a0den <a href=\"http:\/\/www.bootcharter.de\/blogbuch\/?p=1279\">hausgemachten \u00dcberschwemmungen<\/a> an der Dahme im Januar dieses Jahres konnte man einen Vorgeschmack davon bekommen, was uns erwartet.<\/p>\n<p>Ich meine, \u00a0es wird Zeit gegenzusteuern. Der Erhalt der Natur ist wichtig. Doch wichtig ist auch der Erhalt des kulturellen und technischen Erbes. Und dazu geh\u00f6ren nicht nur Kathedralen oder denkmalgesch\u00fctzte Industriebauten. Der Landwehrkanal in Berlin, der Finowkanal in Brandenburg und die vielen anderen kleineren Wasserverbindungen sind \u00a0bedeutende historische Bauwerke. Sie m\u00fcssen erhalten werden &#8211; und zwar funktionst\u00fcchtig erhalten werden. Dann kann man sie ihrer urspr\u00fcnglichen Bestimmung gem\u00e4\u00df\u00a0weiter nutzen: n\u00e4mlich Schiffe darauf fahren lassen! Nur sind es eben nicht mehr die Lastk\u00e4hne mit Ziegeln aus Zehdenick, sondern Ausflugsschiffe und Yachten mit G\u00e4sten aus aller Welt. So erh\u00e4lt man\u00a0kulturelles und technisches Erbe auf nat\u00fcrliche und lebendige Weise.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dankenswerterweise hat es die Hauspostille des NV-Verlags in ihrer letzten Ausgabe noch einmal aufgegriffen: Verkehrsminister Ramsauers finstere Pl\u00e4ne f\u00fcr die deutschen Wasserstra\u00dfen. \u00a0Die Meldung ist schon \u00e4lter, aber im Januar ziemlich unbeachtet geblieben.\u00a0Im Kern sieht der Plan vor, nur noch Wasserstra\u00dfen auszubauen, auf denen viel G\u00fcterverkehr abgewickelt wird. 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