{"id":3086,"date":"2013-08-03T15:58:11","date_gmt":"2013-08-03T13:58:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bootcharter.de\/blogbuch\/?p=3086"},"modified":"2013-08-05T12:57:14","modified_gmt":"2013-08-05T10:57:14","slug":"schleusenstreiks-nerven-aber","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bootcharter.de\/blogbuch\/?p=3086","title":{"rendered":"Schleusenstreiks nerven. Aber &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Im Januar 2011 hatte ich in einem <a href=\"http:\/\/www.bootcharter.de\/blogbuch\/?p=1279\">Blogpost \u00fcber das hausgemachte Hochwasser<\/a> an der Dahme ver\u00e4rgert gefragt, ob die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung vielleicht an die B\u00f6rse gehen will. (Sie schien n\u00e4mlich ihre Infrastruktur ebenso gnadenlos auf Verschlei\u00df zu fahren wie die Deutsche Bahn). Tja, man kann so sehr \u00fcberspitzen wie man will: es zeigte sich, dass ich damit nicht so v\u00f6llig falsch lag. Vom B\u00f6rsengang ist zwar (noch?) nicht die Rede, aber das Zauberwort Privatisierung steht auch im Mittelpunkt der &#8222;Reform&#8220; der WSV, die man sich im Bundesministerium f\u00fcr Verkehr ausgedacht hat.<\/p>\n<p>Ich gebe zu: wer schon einmal mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin zu tun hatte, kann durchaus der Meinung sein, dass dieser Beh\u00f6rde eine Reform gut anst\u00fcnde. Eine Reform, die vielleicht dazu f\u00fchren w\u00fcrde, dass man dort etwas b\u00fcrgerfreundlicher wird.<\/p>\n<p>Aber das w\u00e4re nat\u00fcrlich zu sch\u00f6n um wahr zu sein. Wir k\u00f6nnen zuversichtlich davon ausgehen, dass Verkehrsminister Ramsauers \u201eReform\u201c das Gegenteil bewirken wird. \u00a0Es werden zwar eine Menge Arbeitspl\u00e4tze wegfallen, dies wird aber wohl \u00fcberwiegend diejenigen treffen, die etwas N\u00fctzliches tun, also die Schleusenw\u00e4rter\/innen, die Arbeiter und Arbeiterinnen bei der Instandhaltung etc. &#8222;Leitende Stellen&#8220; hingegen wird es wahrscheinlich danach eher mehr geben als zuvor. Die Berliner S-Bahn hat vorexerziert wie das geht &#8211; und wohin es f\u00fchrt. Die Gewerkschaft ver.di (der man nicht alles glauben muss, aber hier halte ich ihre Einsch\u00e4tzung f\u00fcr realistisch) <a href=\"https:\/\/www.verdi.de\/presse\/pressemitteilungen\/++co++633691aa-c1cb-11e1-76b5-0019b9e321e1\">geht davon aus<\/a>, dass durch die &#8222;Reform&#8220; 2.500 Facharbeiter\/innen-Stellen wegfallen werden.<\/p>\n<p>Die durch den Stellenabbau geschw\u00e4chten Wasser- und Schifffahrts\u00e4mter werden nicht mehr in der Lage sein,\u00a0 das gesamte Netz der Wasserstra\u00dfen instand zu halten. Und hier kommen unsere Interessen ins Spiel, nicht nur die der Charterunternehmen, sondern die aller Bootfahrer, vor allem im Osten Deutschlands. Denn ein Kern der Reform ist auch die Kategorisierung der Wasserstra\u00dfen in drei Gruppen. Praktisch alle Wasserstra\u00dfen im Osten Deutschlands (au\u00dfer der HOW und der SOW) fallen dabei in die dritte Gruppe der \u201esonstigen Wasserstra\u00dfen\u201c, auf denen kaum noch G\u00fcterverkehr stattfindet.<\/p>\n<p>Das betrifft \u2013 um nur ein paar Beispiele zu nennen \u2013 die Obere Havel, die Templiner Gew\u00e4sser, die M\u00fcritz-Havel-Wasserstra\u00dfe, die Dahme-Gew\u00e4sser \u2026 Fast alle Seen, Fl\u00fcsse und Kan\u00e4le, auf denen wir mit unseren Booten unterwegs sind. \u00a0Diese sollen aus der Verantwortung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes an Dritte abgegeben werden. Ramsauer schwebt dabei offensichtlich vor allem die \u00dcbernahme durch private Betreiber vor. Vielleicht wird die eine oder andere Wasserstra\u00dfe auch (notgedrungen) von einem Bundesland \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Wie auch immer: Diese Zerst\u00fcckelung wird mittelfristig dazu f\u00fchren, dass die Gew\u00e4sser \u00a0verkommen, versanden und verlanden. Stellen wir uns doch mal vor, die Schleusen der Oberhavel werden von einem privaten Betreiber betrieben. Mal abgesehen davon, dass er das nicht umsonst tun wird: was wird wohl passieren, wenn er insolvent wird? Oder nicht in der Lage (oder willens) ist, eine Schleuse aufwendig instand zu setzen? Die OHV ist dann eben mal eine Saison nicht mehr passierbar. Durch mangelnde Benutzung vergammeln dann auch die anderen Wasserbauwerke, letztlich auch auf den verbundenen Wasserstra\u00dfen. Und nat\u00fcrlich brechen auch die Einnahmen m\u00f6glicher privater Betreiber der angrenzenden Gew\u00e4sser ein. In Nullkommanix ist eine Abw\u00e4rtsspirale in Gang gesetzt. Und das war\u2018s dann. Wenn wir uns vorstellen, dass das Land Brandenburg die Oberhavel \u00a0betreut, ist das nicht viel besser. Schon jetzt sind die \u2013 bisher wenigen -Landeswasserstra\u00dfen in einem bedenklichen Zustand \u2013 das wird nicht besser werden.<\/p>\n<p>Wenn das einzigartige historisch gewachsene Wasserstra\u00dfennetz Deutschlands erhalten bleiben soll und wenn wir auch in Zukunft die M\u00f6glichkeit haben wollen, von\u00a0 der M\u00fcritz nach Teupitz und von Havelberg nach Oderberg zu fahren, muss diese \u201cReform\u201c verhindert werden. Insofern habe ich durchaus Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Streiks, wenn sie auch manchmal verdammt l\u00e4stig sein k\u00f6nnen.\u00a0 Aber die streikbedingten Schleusensperrungen sind mit Sicherheit nur ein ganz milder Vorgeschmack auf das, was uns erwartet, wenn Wasserstra\u00dfenhasser Ramsauer mit\u00a0 seinen Pl\u00e4nen durchkommt.<\/p>\n<p>Mit dieser Einsch\u00e4tzung stehe ich zum Gl\u00fcck nicht alleine. Wohl so ziemlich alle, die mit dem Wassersport in Deutschland verbunden sind, machen Front gegen die \u201eReform\u201c. Viele Informationen dazu findet man auf der <a href=\"http:\/\/www.bsbtk.de\/\">Seite des Bezirkssportbundes Treptow-K\u00f6penick<\/a> (Untermen\u00fc \u201eBundeswasserstra\u00dfen\u201c).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Januar 2011 hatte ich in einem Blogpost \u00fcber das hausgemachte Hochwasser an der Dahme ver\u00e4rgert gefragt, ob die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung vielleicht an die B\u00f6rse gehen will. (Sie schien n\u00e4mlich ihre Infrastruktur ebenso gnadenlos auf Verschlei\u00df zu fahren wie die Deutsche Bahn). 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