Lechts und rinks

Zu diesem Blogpost wurde ich angeregt durch eine Facebook-Diskussion über die Bezeichnung von Schleusenkammern bei Doppelkammerschleusen.

„Steuerbord ist rechts, Backbord ist links“ ist ja wohl so ziemlich das Erste, was jeder Bootsneuling lernt. Aber stimmt das überhaupt? Ich meine (haltet euch fest, atmet tief durch): Nein. Jedenfalls nicht in dem Sinn, dass Steuerbord und rechts bzw. Backbord und links jeweils Synonyme seien, also genau die selbe Bedeutung hätten.

Was ist der Unterschied? Das Bezugssystem: Rechts und links werden in der Regel aus Sicht des Sprechenden gesehen. Wenn ich sage „links“, dann meine ich „links von mir“. (Es gibt auch Bereiche, wo das anders definiert ist, z.B. bei der Bezeichnung von Flussufern, aber dazu kommen wir noch.)

Steuerbord und Backbord haben ein anderes Bezugssystem, nämlich das Boot oder Schiff. Steuerbord ist immer die rechte Bootsseite, bzw. das, was rechts liegt, wenn man zum Bug schaut. Vollkommen eindeutig, klar und ohne Ausnahme. Und das ergibt auch Sinn – es ist wie die meisten Fachbegriffe nicht in erster Linie dazu da, Laien zu verwirren, sondern für Klarheit in der Kommunikation zu sorgen. Ein Beispiel:

Schiff fährt auf einem flachen Gewässer mit tückischen Sandbänken. Im Bug steht das Besatzungsmitglied mit den besten Augen und hält Ausschau nach verräterischen Verfärbungen des Wassers. Da! Der Ausguck dreht sich nach hinten und ruft der Rudergängerin zu: „Achtung! Sandbank voraus! Ruder hart links!“ Steuerfrau: „Von dir aus links, oder von mir aus?“ „…“ KNIRRRSCH. Dagegen „Ruder hart backbord!“ : Keine Zweifel, eindeutig definiert, keine Rückfrage. Ok, das ist ein bisschen konstruiert, aber man versteht was ich meine, nicht wahr?

Auf Booten und Schiffen hat man also für begriffliche Klarheit gesorgt, indem zwei zusätzliche, eindeutig definierte Worte eingeführt wurden. Man kann natürlich auch per Absprache oder Verordnung festlegen, was das Bezugssystem ist. So macht es die Binnenschifffahrtsstraßenordnung, wenn es darum geht, wie die Ufer von Wasserstraßen bezeichnet werden. Bezugssystem ist hier die Fließrichtung des Gewässers. Das rechte Ufer ist das, was sich in Fließrichtung gesehen rechts befindet, und das linke, was sich in Fließrichtung gesehen links befindet. Immer. Egal von wo man kommt. Die Lage des Marineservice Niederlehme zum Beispiel ist beschreibbar mit „DaW, km 7,2 RU“ In Worten: Der Marineservice  befindet sich am rechten Ufer der Dahme-Wasserstraße in Höhe von km 7,2. Er ist auch dann noch am rechten Ufer, wenn man aus Berlin kommend dahmeaufwärts fährt und der Marineservice links von einem liegt, also an Backbord. Ja, bei Bergfahrern liegt das rechte Ufer an Backbord und das linke an Steuerbord. Ich habe dazu mal eine Zeichnung gemacht:

Ist eigentlich ziemlich klar, oder? Steuerbord und Backbord sind immer und überall bezogen auf das Boot oder Schiff. Rechts und Links können je nach Kontext (oder Festlegung in einem Regelwerk) unterschiedlich definiert sein.

Und doch – die Erfahrung zeigt, dass der Unterschied zwischen „rechts“ und „Steuerbord“ (bzw. zwischen „links“ und „Backbord“) nicht jedem zu jeder Zeit bewusst ist. Selbst Schleusenwärter geben u.U. missverständliche Anweisungen. Da hilft nur nachfragen; denn wir können zwar beim Bier oder auf Facebook trefflich über solche Fragen diskutieren. Aber mit Schleusenwärtern zu diskutieren ist erfahrungsgemäß keine gute Idee.

Das letzte Wort jedoch gebührt dem Dichter.

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One Response to “Lechts und rinks”

  1. Hansjoerg sagt:

    Das ist ein Test der (mit neuen Einstellungen) wieder in Betrieb genommenen Kommentarfunktion.

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