Posts Tagged ‘Wasserbau’

Lechts und rinks

Dienstag, August 7th, 2018

Zu diesem Blogpost wurde ich angeregt durch eine Facebook-Diskussion über die Bezeichnung von Schleusenkammern bei Doppelkammerschleusen.

„Steuerbord ist rechts, Backbord ist links“ ist ja wohl so ziemlich das Erste, was jeder Bootsneuling lernt. Aber stimmt das überhaupt? Ich meine (haltet euch fest, atmet tief durch): Nein. Jedenfalls nicht in dem Sinn, dass Steuerbord und rechts bzw. Backbord und links jeweils Synonyme seien, also genau die selbe Bedeutung hätten.

Was ist der Unterschied? Das Bezugssystem: Rechts und links werden in der Regel aus Sicht des Sprechenden gesehen. Wenn ich sage „links“, dann meine ich „links von mir“. (Es gibt auch Bereiche, wo das anders definiert ist, z.B. bei der Bezeichnung von Flussufern, aber dazu kommen wir noch.)

Steuerbord und Backbord haben ein anderes Bezugssystem, nämlich das Boot oder Schiff. Steuerbord ist immer die rechte Bootsseite, bzw. das, was rechts liegt, wenn man zum Bug schaut. Vollkommen eindeutig, klar und ohne Ausnahme. Und das ergibt auch Sinn – es ist wie die meisten Fachbegriffe nicht in erster Linie dazu da, Laien zu verwirren, sondern für Klarheit in der Kommunikation zu sorgen. Ein Beispiel:

Schiff fährt auf einem flachen Gewässer mit tückischen Sandbänken. Im Bug steht das Besatzungsmitglied mit den besten Augen und hält Ausschau nach verräterischen Verfärbungen des Wassers. Da! Der Ausguck dreht sich nach hinten und ruft der Rudergängerin zu: „Achtung! Sandbank voraus! Ruder hart links!“ Steuerfrau: „Von dir aus links, oder von mir aus?“ „…“ KNIRRRSCH. Dagegen „Ruder hart backbord!“ : Keine Zweifel, eindeutig definiert, keine Rückfrage. Ok, das ist ein bisschen konstruiert, aber man versteht was ich meine, nicht wahr?

Auf Booten und Schiffen hat man also für begriffliche Klarheit gesorgt, indem zwei zusätzliche, eindeutig definierte Worte eingeführt wurden. Man kann natürlich auch per Absprache oder Verordnung festlegen, was das Bezugssystem ist. So macht es die Binnenschifffahrtsstraßenordnung, wenn es darum geht, wie die Ufer von Wasserstraßen bezeichnet werden. Bezugssystem ist hier die Fließrichtung des Gewässers. Das rechte Ufer ist das, was sich in Fließrichtung gesehen rechts befindet, und das linke, was sich in Fließrichtung gesehen links befindet. Immer. Egal von wo man kommt. Die Lage des Marineservice Niederlehme zum Beispiel ist beschreibbar mit „DaW, km 7,2 RU“ In Worten: Der Marineservice  befindet sich am rechten Ufer der Dahme-Wasserstraße in Höhe von km 7,2. Er ist auch dann noch am rechten Ufer, wenn man aus Berlin kommend dahmeaufwärts fährt und der Marineservice links von einem liegt, also an Backbord. Ja, bei Bergfahrern liegt das rechte Ufer an Backbord und das linke an Steuerbord. Ich habe dazu mal eine Zeichnung gemacht:

Ist eigentlich ziemlich klar, oder? Steuerbord und Backbord sind immer und überall bezogen auf das Boot oder Schiff. Rechts und Links können je nach Kontext (oder Festlegung in einem Regelwerk) unterschiedlich definiert sein.

Und doch – die Erfahrung zeigt, dass der Unterschied zwischen „rechts“ und „Steuerbord“ (bzw. zwischen „links“ und „Backbord“) nicht jedem zu jeder Zeit bewusst ist. Selbst Schleusenwärter geben u.U. missverständliche Anweisungen. Da hilft nur nachfragen; denn wir können zwar beim Bier oder auf Facebook trefflich über solche Fragen diskutieren. Aber mit Schleusenwärtern zu diskutieren ist erfahrungsgemäß keine gute Idee.

Das letzte Wort jedoch gebührt dem Dichter.

Off Topic: Ich habe die Kommentarfunktion nach einigen datenschutzrelevanten Änderungen wieder aktiviert. Wer zum ersten Mal hier kommentiert, muss einen Moment warten, bis sein Kommentar für alle sichtbar wird – er wird manuell frei geschaltet. Wer (mit gleicher Mailadresse und gleichem Namen) schon mal was geschrieben hat, dessen Kommentar erscheint sofort. 

Schleusenstreiks nerven. Aber …

Samstag, August 3rd, 2013

Im Januar 2011 hatte ich in einem Blogpost über das hausgemachte Hochwasser an der Dahme verärgert gefragt, ob die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung vielleicht an die Börse gehen will. (Sie schien nämlich ihre Infrastruktur ebenso gnadenlos auf Verschleiß zu fahren wie die Deutsche Bahn). Tja, man kann so sehr überspitzen wie man will: es zeigte sich, dass ich damit nicht so völlig falsch lag. Vom Börsengang ist zwar (noch?) nicht die Rede, aber das Zauberwort Privatisierung steht auch im Mittelpunkt der „Reform“ der WSV, die man sich im Bundesministerium für Verkehr ausgedacht hat.

Ich gebe zu: wer schon einmal mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin zu tun hatte, kann durchaus der Meinung sein, dass dieser Behörde eine Reform gut anstünde. Eine Reform, die vielleicht dazu führen würde, dass man dort etwas bürgerfreundlicher wird.

Aber das wäre natürlich zu schön um wahr zu sein. Wir können zuversichtlich davon ausgehen, dass Verkehrsminister Ramsauers „Reform“ das Gegenteil bewirken wird.  Es werden zwar eine Menge Arbeitsplätze wegfallen, dies wird aber wohl überwiegend diejenigen treffen, die etwas Nützliches tun, also die Schleusenwärter/innen, die Arbeiter und Arbeiterinnen bei der Instandhaltung etc. „Leitende Stellen“ hingegen wird es wahrscheinlich danach eher mehr geben als zuvor. Die Berliner S-Bahn hat vorexerziert wie das geht – und wohin es führt. Die Gewerkschaft ver.di (der man nicht alles glauben muss, aber hier halte ich ihre Einschätzung für realistisch) geht davon aus, dass durch die „Reform“ 2.500 Facharbeiter/innen-Stellen wegfallen werden.

Die durch den Stellenabbau geschwächten Wasser- und Schifffahrtsämter werden nicht mehr in der Lage sein,  das gesamte Netz der Wasserstraßen instand zu halten. Und hier kommen unsere Interessen ins Spiel, nicht nur die der Charterunternehmen, sondern die aller Bootfahrer, vor allem im Osten Deutschlands. Denn ein Kern der Reform ist auch die Kategorisierung der Wasserstraßen in drei Gruppen. Praktisch alle Wasserstraßen im Osten Deutschlands (außer der HOW und der SOW) fallen dabei in die dritte Gruppe der „sonstigen Wasserstraßen“, auf denen kaum noch Güterverkehr stattfindet.

Das betrifft – um nur ein paar Beispiele zu nennen – die Obere Havel, die Templiner Gewässer, die Müritz-Havel-Wasserstraße, die Dahme-Gewässer … Fast alle Seen, Flüsse und Kanäle, auf denen wir mit unseren Booten unterwegs sind.  Diese sollen aus der Verantwortung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes an Dritte abgegeben werden. Ramsauer schwebt dabei offensichtlich vor allem die Übernahme durch private Betreiber vor. Vielleicht wird die eine oder andere Wasserstraße auch (notgedrungen) von einem Bundesland übernommen.

Wie auch immer: Diese Zerstückelung wird mittelfristig dazu führen, dass die Gewässer  verkommen, versanden und verlanden. Stellen wir uns doch mal vor, die Schleusen der Oberhavel werden von einem privaten Betreiber betrieben. Mal abgesehen davon, dass er das nicht umsonst tun wird: was wird wohl passieren, wenn er insolvent wird? Oder nicht in der Lage (oder willens) ist, eine Schleuse aufwendig instand zu setzen? Die OHV ist dann eben mal eine Saison nicht mehr passierbar. Durch mangelnde Benutzung vergammeln dann auch die anderen Wasserbauwerke, letztlich auch auf den verbundenen Wasserstraßen. Und natürlich brechen auch die Einnahmen möglicher privater Betreiber der angrenzenden Gewässer ein. In Nullkommanix ist eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt. Und das war‘s dann. Wenn wir uns vorstellen, dass das Land Brandenburg die Oberhavel  betreut, ist das nicht viel besser. Schon jetzt sind die – bisher wenigen -Landeswasserstraßen in einem bedenklichen Zustand – das wird nicht besser werden.

Wenn das einzigartige historisch gewachsene Wasserstraßennetz Deutschlands erhalten bleiben soll und wenn wir auch in Zukunft die Möglichkeit haben wollen, von  der Müritz nach Teupitz und von Havelberg nach Oderberg zu fahren, muss diese “Reform“ verhindert werden. Insofern habe ich durchaus Verständnis für die Streiks, wenn sie auch manchmal verdammt lästig sein können.  Aber die streikbedingten Schleusensperrungen sind mit Sicherheit nur ein ganz milder Vorgeschmack auf das, was uns erwartet, wenn Wasserstraßenhasser Ramsauer mit  seinen Plänen durchkommt.

Mit dieser Einschätzung stehe ich zum Glück nicht alleine. Wohl so ziemlich alle, die mit dem Wassersport in Deutschland verbunden sind, machen Front gegen die „Reform“. Viele Informationen dazu findet man auf der Seite des Bezirkssportbundes Treptow-Köpenick (Untermenü „Bundeswasserstraßen“).

Man baut!

Montag, Juli 29th, 2013

Es ist tatsächlich nicht bei Vorankündigungen geblieben, und auch nicht bei einem schönen Schild.

Nein, am Langen Trödel sind die Bagger angerückt. In Liebenwalde nimmt der neue Hafen schon langsam Form an, der 32 Booten Platz bieten soll – direkt neben der bisherigen Marina auf der anderen Seite der Brücke. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis man von Liebenwalde direkt zum Finowkanal wird fahren können. Wie viel Zeit? Nun, wir werden sehen …

Neues vom Trödel

Dienstag, April 23rd, 2013

Wer braucht Flughäfen? Die Zukunft gehört der Binnenschifffahrt!

Ich hatte schon mehrfach darüber berichtet. Und jetzt scheint es langsam ernst zu werden: am Langen Trödel wird gebuddelt. Jedenfalls vermeldet ELWIS ab Juni zeitweilige Beeinträchtigungen an der HOW wegen der Baumaßnahmen. Natürlich wird man nicht bis Ende 2013 fertig werden, aber jetzt wird wirklich gebaut. Die üblichen „unvorhersehbaren“ Probleme und Verzögerungen eingerechnet ist mein Tipp: Einweihung im Spätsommer 2015. Immerhin! Wetten, dass der Lange Trödel jedenfalls vor dem Flughafen BER fertig gestellt sein wird?

Fäkalien in die Spree

Freitag, August 3rd, 2012

… zu pumpen ist natürlich streng verboten. Der Tagesspiegel weiß dazu gerade etwas zu melden. Am Rande sei bemerkt, dass ein Fäkalienteppich, wie er beschrieben wird, keinesfalls von einer Yacht kommen kann, sondern von einem großen Schiff stammen muss (Ausflugsdampfer? Hotelschiff?…) Aber das soll hier gar nicht das Thema sein, sondern:

Mit etwas Verspätung – aber immerhin besser als der BER! – werden derzeit Fäkalientanks der besonderen Art in der Spree versenkt. Genauer gesagt am Osthafen, rechtes Ufer zwischen Elsen- und Oberbaumbrücke. Wir hatten über das Vorhaben schon berichtet. Schade nur, dass aus den ursprünglichen guten Ideen der Planer nichts geworden ist. Aber es bleibt ein wertvoller Beitrag zur Reinhaltung des Flusses (bzw. dazu, dass er erst Mal wieder halbwegs sauber wird.)

Riesige Fäkalientanks - versenkt in der Spree

Allerdings ist die Idee mit den Rückhaltebecken für das schmutzige Wasser aus der Mischkanalisation nicht wirklich neu. Derartige Rückhaltevorrichtungen (allerdings auf dem Land, nicht als Tanks im Wasser) gibt es schon lange. Und derzeit wird entlang des Landwehrkanals die Kanalisation erneuert, und dabei werden zusätzliche Rückhaltebecken angelegt. Wie alle Baustellen ist das für die Anwohner ein bisschen nervig. Aber über den Sinn dieser Maßnahmen kann man ja nun wirklich nicht streiten – anders als bei vielen anderen teuren Bauprojekten in der Hauptstadt.

Schmutzwasser-Rückhaltebecken im Bau (Görlitzer Ufer, Landwehrkanal)

Schmutzwasser-Rückhaltebecken im Bau (Görlitzer Ufer, Landwehrkanal)

Update 4.8.:
http://www.tagesspiegel.de/berlin/faekalienteppich-polizei-sucht-den-havel-verschmutzer/6960976.html

Neues aus Oranienburg

Sonntag, Juli 29th, 2012

Das Stimmungsbild zur neuen Verbindung zwischen Oranienburger Stadthavel und Ruppiner Gewässern ist ja recht positiv ausgefallen. Wir sind gleichwohl skeptisch, was die Erfolgsaussichten des Vorhabens angeht, und haben das dem Stadtplanungsamt Oranienburg mitgeteilt wie folgt:

Aus unserer Sicht wird die geplante Verbindung per Bootslifter ein Misserfolg werden, und zwar vor allem aus folgenden zwei Gründen:

1. Das Geld
Sie planen ja offensichtlich, für den Bootslift Gebühren zu erheben. Das ist sicher angesichts der Investitionskosten und der knappen Stadtkassen nachvollziehbar. Und Bootfahrer sind ja i.d.R. auch keine armen Leute, sodass eine mäßige Gebühr eigentlich kein Problem darstellen sollte. Sollte man meinen.
Unsere Erfahrungen sind aber andere: Schon wenige Euro, sei es für Strom oder Wasser oder was auch immer lösen mitunter heftige Diskussionen aus. Oder man denke nur an den Sturm im Wasserglas, der entfacht wurde, als der damalige Verkehrsminister Stolpe eine Wasserstraßenmaut ins Gespräch brachte. Ein besonders groteskes Beispiel kennen wir aus Groß-Köris: Dort kostete die Passage der Klappbrücke pro Boot 3 Euro; damit wurde der Arbeitsplatz der Brückenwärterin finanziert. Ein Yachtbesitzer hat sich nicht entblödet, gegen die Brückenmaut zu klagen und hat Recht bekommen!
Ob uns das gefällt oder nicht: Es ist zu erwarten, dass fast alle Bootfahrer lieber einen unattraktiven Umweg in Kauf nehmen werden als ein paar Euro zu bezahlen.

2.Die Technik
Die von Ihnen favorisierten Bootslifter sind v.a. dafür entwickelt worden, Boote zum Saisonende oder für Reparaturen aus dem Wasser zu nehmen. Aus Erfahrung weiß ich, dass derartige Manöver für Bootseigner stets stressig sind. Und tatsächlich ist jedes Kranen oder „Liften“ ja auch immer mit einem Restrisiko verbunden. Dabei kommt es auch sehr auf Vertrauen gegenüber der Mannschaft an, die das Gerät bedient. Ohne Not wird das kaum ein Bootseigner auf sich nehmen. Ich wage sogar die Prognose, dass die meisten Charterunternehmen ihren Gästen untersagen würden, den Bootslifter oder ähnliches zu nutzen. Auch wir würden das – vorbehaltlich einer Besichtigung der Anlage und eines Probetransports – voraussichtlich tun.

Insgesamt sehen wir also schwarz für Ihr Vorhaben, so sehr uns grundsätzlich auch an einem Ausbau der Wasserstraßen gelegen ist. Aber der Bootslifter würde nach seiner Fertigstellung aller Wahrscheinlichkeit nach ungenutzt verrosten. Wir denken, es sollte lieber alle Kraft darauf verwendet werden, den Malzer Kanal wieder schiffbar zu machen um eine Umgehung der Schleuse Lehnitz zu schaffen. Das wäre ein echter Impuls für die Sportschifffahrt!

Ich vermute, eines ihrer Anliegen ist es auch, mehr Bootstouristen in die Innenstadt von Oranienburg zu bringen. Das ist nachvollziehbar und wird von uns auch unterstützt. (Z.B. hier: http://www.bootcharter.de/blogbuch/?p=500) Eine kostengünstige und sinnvolle Maßnahme dafür wäre es aus unserer Sicht, im Schlosshafen eine große Zahl der überflüssigen Dalben zu entfernen, dass auch größere Boote dort gut manövrieren und anlegen können. (Oder ist das bereits geschehen?)

Das Stadtplanungsamt hat sehr freundlich darauf geantwortet und versprochen, unsere Bedenken an die Entscheidungsträger weiter zu geben. Außerdem wurde folgende erfreuliche Mitteilung gemacht:

Ich habe zwischenzeitlich in Erfahrung bringen können, dass seit Ihrer In Augenscheinnahme des Schlosshafens insgesamt 20 Dalben gezogen worden sind. Dadurch stehen nunmehr 35 Liegeplätze für Boote mit einer Länge von über 10m zur Verfügung. Weitere 30 Liegeplätze sind Booten von unter 10m Länge vorbehalten. Diese Größenaufteilung ist seinerzeit eine Förderauflage gewesen, um den nicht-kommerziellen Bootsverkehr zu unterstützen, die weiterhin zu beachten ist.
Es wäre schön, wenn Sie diesen Hinweis als Nachtrag in Ihrem Blog ergänzen könnten, auch wenn die Belegung des Schlosshafens nach Aussagen des verantwortlichen Geschäftsführers derzeit sehr gut ist.

Tun wir doch gern. Für die etwas schrägen Vorgaben der Förderinstitutionen kann die Stadt O-burg ja nichts. Und so wie es jetzt ist, scheint die Aufteilung des Hafens ja durchaus sinnvoll zu sein. War jemand kürzlich da und kann berichten?

Neue Verbindungen schaffen!

Mittwoch, Mai 30th, 2012

Ein Tweet hat mich zu dieser Meldung  geführt.  Da schlägt ein niederländischer Europapolitiker (noch dazu aus der gleichen Fraktion wie unser bayrischer Wasserstraßenhasser) eine neue Kanalverbindung vor. Und zwar vom niederländischen Twentekanal zum deutschen Mittellandkanal. Der Twentekanal endet bisher in Enschede; die neue Verbindung müsste wohl irgendwo bei Rheine in den Mittellandkanal bzw. den Dortmund-Ems-Kanal münden.

Wenn man sich das mal bei Google Maps anguckt, fällt sofort ins Auge, wie naheliegend eine solche Verbindung ist und wie sinnvoll sie wäre. Denn es gibt bisher nur drei Binnenwasserverbindungen zwischen Holland und Deutschland, von denen zwei eigentlich nicht mitgerechnet werden können. Denn der Weg über den Dollart und die Ems schließt ein Tidengewässer ein. Diesen Weg sind wir bei der Überführung der Anna K. gefahren – das ist lustig, aber doch recht langwierig. Und der Haren-Rütenbrock-Kanal ist winzig und für die Berufschifffahrt natürlich nicht zu gebrauchen. Bleibt also nur die Waal/der Rhein, und diese Wasserstraße ist schon extrem belastet. Wir sind selber mal bei Nijmegen auf der Waal geschippert – eine Autobahn ist nichts dagegen.

Also ein neuer Kanal. Ich sage dreimal Ja! dazu. Das wäre eine sinnvolle Infrastrukturmaßnahme. Sie würde die Ost-West-Verbindung für Binnenschiffe von Polen bis Frankreich entscheidend verbessern und dazu beitragen, dass mehr Gütertransporte auf das Schiff verlagert werden. Man wird wohl den einen oder anderen Frosch vor Baubeginn behutsam umsiedeln müssen. Und man darf keine Berliner an der Planung beteiligen, sonst wird der Kanal nie fertig. Aber dann könnte das was werden.

Lang genug getrödelt!

Donnerstag, März 29th, 2012

Jetzt ist es amtlich: Noch in diesem Jahr soll der erste Spatenstich erfolgen. Und bis Ende 2013 soll der Lange Trödel, die direkte Verbindung vom Voßkanal zum Finowkanal, wieder schiffbar sein. Bis dahin muss der Lange Trödel ausgebaggert und es müssen drei Brücken und eine Schleuse (wieder auf-) gebaut werden. U.a. wird die Brücke über die L 21 in Liebenwalde (wieder!)  in eine Klappbrücke umgewandelt.  Ob das wirklich bis Ende 2013 klappt? Man wird sehen.

Jedenfalls besteht Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Immerhin wurde tatsächlich schon im Sommer 2011 der Werbellinkanal (wieder) bis zum Finowkanal verlängert. (Ich berichtete darüber.) Jetzt noch der Lange Trödel und man kann mit dem Boot zum Finowkanal oder zum Werbellinsee und muss dabei die HOW nur ein bzw. zwei Mal kreuzen. Ein echter Fortschritt.

Mehr darüber kann man auf der Website der „Wassertourismus-Initiative Nordbrandenburg“ nachlesen, deren Öffentlichkeitsarbeit allerdings eine Katastrophe ist. (Das merkt man nicht nur an der fehlerhaften Website, sondern auch daran, dass die Wiedereröffnung vom südlichen Teilabschnitt des Werbellinkanals seinerzeit weitgehend geheim gehalten wurde.)

Am Rande: Die vielen „wieders“ in diesem Text sollten einem vielleicht zu denken geben. Was man gar nicht erst vergammeln lässt (oder zerstört), muss man später nicht mit viel Aufwand wiederherstellen.

Update:
Auf Google Maps gibt’s ein neues Luftbild, auf dem das wieder hergestellte Teilstück des Werbellinkanals zu sehen ist. Eine kleine Freude im Nachhinein: Ich lag damals richtig mit meiner Vermutung über den Verlauf. Offensichtlich bleiben die Spuren zerstörter Wasserbauwerke im Luftbild noch lange gut erkennbar.

Noch ’n Kanal

Mittwoch, August 31st, 2011

Vor einer Weile schon hatten wir über die Wiederverlängerung des Werbellinkanals berichtet. Nun sind wir da auch mal lang gefahren. Gar nicht leicht, von der HOW aus den Eingang zu finden, denn da ist lediglich eine Marina ausgeschildert und es gibt keinen Hinweis darauf, dass es noch weiter geht. Zuerst sieht es auch gar nicht so aus, so eng und winkelig ist der Verlauf. Doch dann kommt ein nicht sehr breiter, doch gut befahrbarer Kanal. Noch neu und entsprechend kahl sieht er aus – recht unspektakulär. Immerhin: Man kann damit ein Stück HOW umgehen, wenn man aus Richtung O-burg/Liebenwalde zum Werbellinsee will.

Noch unspektakulär: Verlängerung des Werbellinkanals bei Marienwerder

Noch unspektakulär: Verlängerung des Werbellinkanals bei Marienwerder

Aber so richtig Sinn wird das kurze Kanalstück erst ergeben, wenn der „Lange Trödel“ wieder schiffbar sein wird. Dann kann man nämlich von Liebenwalde bis zum Werbellinsee auf dem Finowkanal (bzw. Langen Trödel) fahren und muss dabei nur zwei Mal die HOW kurz kreuzen. Angeblich soll es schon im Herbst 2012 soweit sein. Na, rechnen wir mal realistisch mit Sommer 2014. Aber wir wollen nicht unbescheiden sein.

Übrigens: „Langer Trödel“. Ich wette, dass der Name nicht davon kommt, dass man da rumtrödelt (obwohl man das dann bestimmt auch prima machen kann) sondern vom treideln, also dem Ziehen von Lastkähnen. War früher eben eine „Lange Treidel-“ Strecke.  Aber gut möglich, dass die beiden Worte eh‘ den gleichen Ursprung haben. Schließlich ist Treideln eine recht langsame Art der Fortbewegung. Kein Binnenschiffer könnte es sich heute leisten, so rumzutreideln.

Finowkanal August 2011

Sonntag, August 28th, 2011

Noch etwas Nachlese vom Hoch(wasser)sommer: Unsere „Edmond Dantès“ war Anfang August (vermeidbarerweise 🙁 ) nach einer Charter am Finowkanal gestrandet. Idyllisch ist er ja, der Anleger am „Finowkanalpark“ in Eberswalde. Aber es gibt weit und breit keine Tankstelle. Unmöglich, hier das Boot an die nächsten Gäste zu übergeben.

Nun, abgesehen vom Stress, den die deshalb notwendige Überführung für uns verursachte, war es eine Gelegenheit, wenigstens den unteren Teil des Finowkanals mal von der Nähe kennen zu lernen. Und ich muss sagen: ein tolles Gewässer. Dicht bewachsen, verwunschen, manchmal geradezu einsam (im August!). Und die freundlichen Schleusenwärter, die ihren Euro Trinkgeld an den ausnahmslos handbetätigten Schleusen wirklich verdienen. Wer schon einmal in Frankreich mit dem Boot unterwegs war – z.B. in Burgund oder im Nivernais – wird sich daran erinnert fühlen. Und schließlich zum Abschluss als Kontrastprogramm das Schiffshebewerk, die ebenso geniale wie monumentale Stahlträgerkonstruktion. Der Finowkanal: immer noch ein Geheimtipp.

Anleger Finowkanalpark in Eberswalde

Anleger Finowkanalpark in Eberswalde

12 Schleusen in Handbetrieb

12 Schleusen in Handbetrieb

Märchenwelt Finowkanal

Märchenwelt Finowkanal

Das Schiffshebewerk Niederfinow

Das Schiffshebewerk Niederfinow