Archive for the ‘Allgemein’ Category

Sich hineinversetzen in andere

Sonntag, August 23rd, 2020

Neulich bin ich mal wieder mit meinem Segelboot auf dem See unterwegs. Es bläst recht kräftig, wenn auch etwas böig, aber insgesamt ist es eine Freude – und der See ist obendrein ziemlich leer. Nur eine Motoryacht ist in einiger Entfernung zu sehen. Sie kommt näher … hm, das ist Kollisionskurs. Jetzt kann ich erkennen, dass eine Männercrew auf dem Oberdeck sitzt. Solchen Booten weiche ich trotz Wegerecht in der Regel weiträumig aus, denn man weiß nie, ob nicht Alkohol im Spiel  ist. Ich segle aber vor dem Wind und Ausweichen würde entweder bedeuten in die gerade einfallende Böe hinein zu halsen, oder anzuluven und in die Abdeckung einer Insel zu segeln. Also denke ich was soll’s, ich bin ja unübersehbar, Platz ist auch, er wird schon ausweichen …

Aber nein, statt die Fahrt zu verlangsamen und/oder seinen Kurs um ein paar Grad zu ändern und hinter meinem Heck vorbeizufahren, setzt der Skipper seinen Kurs unbeirrt fort, möglicherweise beschleunigt er sogar. Uhh, das wird knapp … also das berühmte Manöver des letzten Augenblicks: hart anluven, Aufschießer. Puh, nochmal gut gegangen.

Ich gebe zu, ich habe eine Kanonade ziemlich unfeiner Schimpfwörter losgelassen, die ich hier nicht wiederholen werde.

Jetzt, wo der Puls wieder runter und das Adrenalin abgebaut ist, denke ich drüber nach: Was ist da passiert? Dass es Absicht war – also Mordversuch – kann man wohl ausschließen. Dass der Skipper nicht weiß, dass er Seglern ausweichen muss? Unwahrscheinlich. Er hat mich nicht gesehen? Hm, ein weißes Segelboot mit 8 m Mast und 12 m² Segelfläche? Eher nicht. Alkohol? Möglich, aber nicht sicher.

Am wahrscheinlichsten ist Folgendes: Er hat meine Geschwindigkeit unterschätzt. Im Kopf ist irgendwo abgespeichert „Segelboote sind langsam“ und damit, dass eine einfallende Böe einen Segler unvermittelt beschleunigen kann, rechnet er nicht. Ich beobachte das immer wieder: Fast alle Motorbootfahrer scheinen es unter ihrer Würde zu finden, den Hebel etwas zurückzuziehen und sicher hinter dem Heck eines gemächlich vorbeigleitenden Segelboots weiterzufahren. Fast alle geben Gas und versuchen, noch vor dem Bug vorbeizukommen. In der Regel klappt das, aber manchmal – siehe oben – auch nicht.

Wer sich auf dem Wasser bewegt, sollte eine ungefähre Vorstellung haben, wie andere sich dort bewegen (können). Auch wenn ich hart am Wind dem Leeufer immer näher kommend eine Wende mache und der neue Kurs den eines Motorboots kreuzt, dann mache ich das nicht aus Daffke. Wer nur eine ungefähre Ahnung hat, wie Segeln funktioniert, kann eine solche Situation voraussehen und völlig ohne Stress vorausschauend reagieren. Es geht auch nicht darum, unbedingt auf dem Vorfahrtsrecht zu beharren. Natürlich weiche ich einem Motorboot aus, dessen Skipperin offensichtlich gerade einen Steg ansteuert um anzulegen. Oder einem unsicheren Surfer, der Mühe hat, das Gleichgewicht zu halten –  obwohl hier natürlich streng genommen die gleichen Regeln gelten wie unter Segelbooten.

Einfach ein bisschen mitdenken … das würde in der Regel schon helfen. Dazu muss man nur eine ungefähre Ahnung davon haben, welche Bewegungsmöglichkeiten der andere hat und wie sich die Situation aus seinem Blickwinkel darstellt. Dann kann man vorausschauend und rücksichtsvoll fahren und alles bleibt entspannt. Das sollte eigentlich nicht nur auf dem Wasser gelten.

 

Wir hören auf

Sonntag, April 5th, 2020

Eigentlich wollten wir noch ein bisschen weitermachen. Wir haben ja schon in den letzten Jahren aus gesundheitlichen Gründen das Geschäft allmählich  zurückgefahren und die Flotte reduziert. Aber die gute alte Anna Blume wollten wir eigentlich noch ein paar Jahre im Charter anbieten. Doch dann kam Covid-19.

Es folgten unvermeidliche Absagen, Schleusenschließungen und letztlich ein Verbot gewerblicher Vermietungen. Und keiner weiß so recht, wann wieder Normalität einkehrt. Da haben wir die Reißleine gezogen. Lieber ein sauberer Schnitt als eine Hängepartie. Bei allen Gästen, denen wir absagen mussten, möchten wir uns entschuldigen. Natürlich bekommen alle – auch die, die zuerst bei uns absagten – ihre Anzahlungen in vollem Umfang zurück.

Dieses Blog bleibt fürs Erste bestehen. Wahrscheinlich werde ich hier künftig in loser Folge Beiträge rund um den Wassersport posten. Die restliche Online-Präsenz wird abgeschaltet.

Es war eine schöne Zeit mit vielen interessanten und erfreulichen Begegnungen, aus der auch einige Freundschaften entstanden sind. Wir bedanken uns bei allen unseren Chartergästen, vor allem den vielen Stammgästen, die uns die Treue gehalten haben, und die mit Fotos, Videos und Geschichten zu unserem Internet-Auftritt, unseren Broschüren und unserem jährlichen Bildkalender beigetragen haben!

Hansjörg Leser

Kalenderblatt April 2019

Mittwoch, April 24th, 2019

Mal eine ungewohnte Perspektive: Anna Blume von oben.

Aufgenommen wurde das Bild vom Bug der Anna Karenina aus, die nah am Ufer noch an Land steht. Am Freitag den 26.04 wird dann auch die Anna K. gekrant und steht für Probefahrten von Kaufinteressierten bereit. Mehr über Anna Karenina: www.jetten40.de

Schleusen wie Gott in Frankreich?

Donnerstag, August 30th, 2018

Vor kurzem vermeldete ELWIS:

„Verbot des Schleusens von sogenannten Stand-Up-Paddle-Boards

Seit dem 10. August 2018 ist das Schleusen von solchen Gegenständen verboten, auf denen kein sitzender Aufenthalt von Personen möglich ist, keine Festmacheeinrichtung und keine Absturzsicherungen gegen das Überbordgehen von Personen vorhanden sind. Hiervon sind insbesondere sogenannte Stand-Up-Paddle-Boards erfasst, die damit künftig im Bereich von Schleusen an Binnenschifffahrtsstraßen umgetragen werden müssen. Ein Betretungsrecht der Schleusenbereiche ist hiermit nicht verbunden.“

Mit dem Stand-Up-Paddle-Board in der Schleuse? Das ist mit Sicherheit keine gute Idee. Wer schon mal weit vorne in der Schleusenkammer aufgeschleust hat, weiß das. Das Wasser läuft mitunter so schnell ein, dass es selbst mit 2 Leinen manchmal stressig wird, ein kleineres Boot sicher in der strudelnden Strömung zu  halten. Und so etwas mit einem SUP? Ohne Leinen, ohne richtige Möglichkeit sich festzuhalten? Nein, die Dinger haben in Schleusen wahrhaftig nichts zu suchen. Sicherheit geht vor.

Der letzte Satz der Meldung allerdings hat mich nachdenklich gemacht. Wenn man beim Umtragen nicht auf das Schleusengelände darf, wird das an vielen Orten ein weiter Weg und ganz schön kompliziert. Nun ja, das Stehpaddeln mag eine vorübergehende Modeerscheinung sein und es gibt ja ausreichend lange schleusenfreie Strecken, wo man diesen Sport ungehindert ausüben kann.

In Deutschland sind Schleusengelände mit ganz wenigen Ausnahmen nun einmal sorgfältig abgeschirmte Bereiche, die von niemandem außer dem Schleusenpersonal betreten werden dürfen. Aber warum ist das eigentlich so? Klar, Sicherheit geht vor. Es könnte ja jemand in das Schleusenbecken fallen und das kann gefährlich werden. Andererseits, nun ja, wie groß ist dieses Risiko wirklich? Ich meine, auf eine vielbefahrene Straße zu stolpern ist mindestens so gefährlich, trotzdem darf man die Bürgersteige an deren Rändern betreten.

Schleusenleben am Canal du Nivernais

Aus Frankreich kenne ich das anders. Dort sind jedenfalls die kleinen, fast ausschließlich von Sportbooten genutzten Schleusen frei zugänglich für Wanderer, Radfahrer, Passanten … Sie sind ein Ort der Begegnung. Wir haben auf unseren Fahrten durch Frankreich an den Schleusen oft anregende Gespräche geführt und Menschen kennen gelernt (und beim Schleusenwärter Wein oder Gemüse gekauft …). Es kam sogar vor, dass wir während der Mittagspause des Schleusenwärters in der Schleusenkammer festmachen durften und von dort ins Dorf Essen gegangen sind.

Bezahlen die Franzosen dieses charmante laissez-faire nun mit einer hohen Unfallrate an den Schleusen? Ich konnte dazu nichts finden. Eine Google-Suche nach Unfällen an Schleusen brachte überwiegend Vorfälle mit Booten zum Vorschein, ein oder zweimal auch Autos, die von der Schleusenbrücke stürzten, aber keine Personen, die in die Schleusenkammer fielen. Nun ist sicher mein Französisch (und meine Recherche-Geduld) nicht ausreichend, um dazu etwas Abschließendes sagen zu können.

Dennoch: Ich meine, man sollte das strikte Betretensverbot zumindest an kleinen Sportbootschleusen ruhig überdenken. Klar, ein Restrisiko bleibt. Aber übertreiben wir es nicht manchmal mit dem Sicherheitsdenken? Würde uns etwas mehr französische Lockerheit nicht gut bekommen?

Lechts und rinks

Dienstag, August 7th, 2018

Zu diesem Blogpost wurde ich angeregt durch eine Facebook-Diskussion über die Bezeichnung von Schleusenkammern bei Doppelkammerschleusen.

„Steuerbord ist rechts, Backbord ist links“ ist ja wohl so ziemlich das Erste, was jeder Bootsneuling lernt. Aber stimmt das überhaupt? Ich meine (haltet euch fest, atmet tief durch): Nein. Jedenfalls nicht in dem Sinn, dass Steuerbord und rechts bzw. Backbord und links jeweils Synonyme seien, also genau die selbe Bedeutung hätten.

Was ist der Unterschied? Das Bezugssystem: Rechts und links werden in der Regel aus Sicht des Sprechenden gesehen. Wenn ich sage „links“, dann meine ich „links von mir“. (Es gibt auch Bereiche, wo das anders definiert ist, z.B. bei der Bezeichnung von Flussufern, aber dazu kommen wir noch.)

Steuerbord und Backbord haben ein anderes Bezugssystem, nämlich das Boot oder Schiff. Steuerbord ist immer die rechte Bootsseite, bzw. das, was rechts liegt, wenn man zum Bug schaut. Vollkommen eindeutig, klar und ohne Ausnahme. Und das ergibt auch Sinn – es ist wie die meisten Fachbegriffe nicht in erster Linie dazu da, Laien zu verwirren, sondern für Klarheit in der Kommunikation zu sorgen. Ein Beispiel:

Schiff fährt auf einem flachen Gewässer mit tückischen Sandbänken. Im Bug steht das Besatzungsmitglied mit den besten Augen und hält Ausschau nach verräterischen Verfärbungen des Wassers. Da! Der Ausguck dreht sich nach hinten und ruft der Rudergängerin zu: „Achtung! Sandbank voraus! Ruder hart links!“ Steuerfrau: „Von dir aus links, oder von mir aus?“ „…“ KNIRRRSCH. Dagegen „Ruder hart backbord!“ : Keine Zweifel, eindeutig definiert, keine Rückfrage. Ok, das ist ein bisschen konstruiert, aber man versteht was ich meine, nicht wahr?

Auf Booten und Schiffen hat man also für begriffliche Klarheit gesorgt, indem zwei zusätzliche, eindeutig definierte Worte eingeführt wurden. Man kann natürlich auch per Absprache oder Verordnung festlegen, was das Bezugssystem ist. So macht es die Binnenschifffahrtsstraßenordnung, wenn es darum geht, wie die Ufer von Wasserstraßen bezeichnet werden. Bezugssystem ist hier die Fließrichtung des Gewässers. Das rechte Ufer ist das, was sich in Fließrichtung gesehen rechts befindet, und das linke, was sich in Fließrichtung gesehen links befindet. Immer. Egal von wo man kommt. Die Lage des Marineservice Niederlehme zum Beispiel ist beschreibbar mit „DaW, km 7,2 RU“ In Worten: Der Marineservice  befindet sich am rechten Ufer der Dahme-Wasserstraße in Höhe von km 7,2. Er ist auch dann noch am rechten Ufer, wenn man aus Berlin kommend dahmeaufwärts fährt und der Marineservice links von einem liegt, also an Backbord. Ja, bei Bergfahrern liegt das rechte Ufer an Backbord und das linke an Steuerbord. Ich habe dazu mal eine Zeichnung gemacht:

Ist eigentlich ziemlich klar, oder? Steuerbord und Backbord sind immer und überall bezogen auf das Boot oder Schiff. Rechts und Links können je nach Kontext (oder Festlegung in einem Regelwerk) unterschiedlich definiert sein.

Und doch – die Erfahrung zeigt, dass der Unterschied zwischen „rechts“ und „Steuerbord“ (bzw. zwischen „links“ und „Backbord“) nicht jedem zu jeder Zeit bewusst ist. Selbst Schleusenwärter geben u.U. missverständliche Anweisungen. Da hilft nur nachfragen; denn wir können zwar beim Bier oder auf Facebook trefflich über solche Fragen diskutieren. Aber mit Schleusenwärtern zu diskutieren ist erfahrungsgemäß keine gute Idee.

Das letzte Wort jedoch gebührt dem Dichter.

Off Topic: Ich habe die Kommentarfunktion nach einigen datenschutzrelevanten Änderungen wieder aktiviert. Wer zum ersten Mal hier kommentiert, muss einen Moment warten, bis sein Kommentar für alle sichtbar wird – er wird manuell frei geschaltet. Wer (mit gleicher Mailadresse und gleichem Namen) schon mal was geschrieben hat, dessen Kommentar erscheint sofort. 

Neue Telefonnummer und andere Neuigkeiten

Donnerstag, Juni 14th, 2018
    Telefonisch sind wir ab sofort (und ab 1. Juli nur noch) unter der Nummer 0160 – 905 11 720 erreichbar. Da die Chefin viel unterwegs ist, wurden Anrufe sowieso die meiste Zeit auf diese Mobilnummer umgeleitet. Da haben wir uns gesagt, dass wir das Festnetz auch gleich ganz einsparen können.
    Manchen ist es sicher schon aufgefallen: Den gesetzlichen Vorschriften folgend haben wir sowohl in diesen Blog als auch in unsere Website eine Datenschutzerklärung eingefügt, der man entnehmen kann, inwieweit wir Daten unserer Kunden oder der Website-Besucher speichern und wie wir sie vor unberechtigtem Zugriff schützen.
    Leider mussten alle unsere fremdsprachlichen Seiten der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) geopfert werden; denn es würde uns schlicht überfordern, eine Datenschutzerklärung in sämtlichen Sprachen zu verfassen, in denen wir zumindest eine Kurzversion der Website bereit gestellt hatten. Anna Blume gibt es also nur noch auf Deutsch.
    Derzeit ist die Kommentarfunktion auf diesem Blog vorsorglich geschlossen, bis klar ist, wie man das DSGVO-konform einrichten kann. Wer uns etwas mitteilen will, kann das gerne per E-Mail, Post oder telefonisch tun.
    Wir werden künftig auch keine Rundmails mehr verschicken und auch keine Info-Post. Auch das, um hinsichtlich der Datenschutz-Vorschriften auf der sicheren Seite zu sein. Leider wird dem wohl auch unser traditioneller Anna-Blume-Kalender zum Opfer fallen, was wir sehr bedauern. Dafür werden künftig wieder etwas häufiger in diesem Blog Fotos und Neuigkeiten von Anna Blume Bootcharter gepostet.

Herzlich willkommen, liebe Schweizerinnen und Schweizer!

Freitag, Januar 16th, 2015

Wir wissen, dass viele Menschen aus der Schweiz gerne in Berlin und Brandenburg Urlaub machen. Auch bei uns stellt die Schweiz den größten Anteil der ausländischen Gäste. Das freut uns; denn wir wissen die ruhige und freundliche schweizerische Art zu schätzen.

Wir sind deshalb begeistert, dass für unsere Schweizer Gäste der Bootsurlaub in Deutschland schlagartig um fast 20% billiger geworden ist . Und das ohne unser Zutun, allein durch eine Maßnahme der Schweizerischen Nationalbank!

Ob es volkswirtschaftlich richtig oder falsch war, den Wechselkurs des Franken zum Euro freizugeben, kann und will ich nicht beurteilen. Wir sehen jedenfalls das Positive und freuen uns auf noch mehr Gäste aus der Schweiz in der Saison 2015. (Übrigens: in gut 2 Monaten geht’s schon wieder los…)

Hausmesse 2014

Donnerstag, April 10th, 2014

Wow, endlich hatten wir mal richtig Wetterglück! Am Morgen sah es noch etwas trüb aus, aber schon gegen zehn kam die Sonne heraus (und blieb den ganzen Tag).

Und dann ging es auch schon los. Viele alte Freunde und Gäste von Anna Blume kamen vorbei, aber auch zahlreiche neue Interessenten inspizierten die Boote von außen und von innen. Wir haben nicht gezählt, aber ich denke, weit über 100 Menschen werden dagewesen sein. Jedenfalls gingen gegen Ende schon unsere Einmal-Überschuhe zur Neige. Der Andrang war so groß, dass wir nicht jede/n persönlich begrüßen konnten, ich hoffe, das nimmt uns niemand krumm.

Wir haben uns unheimlich gefreut, dass soviele Menschen unserer Einladung gefolgt sind. Vielen Dank allen, die da waren! (Und besonderen Dank an Marco für die Fotos.) Ich könnte mir gut vorstellen, dass wir das gelegentlich wiederholen 🙂

Über die Toppen geflaggt: der Marineservice Niederlehme bei unserer Hausmesse am 6.4.2014

Reges Interesse an den Booten.

Ohne Verdeck zeigte sich Don Giovanni in seiner ganzen Pracht.

Kam gut an: Rundfahrten mit der Diva.

15-PS-Unboot

Sonntag, August 25th, 2013

Ich sage nur: Ich habe es kommen sehen.

Update 26.8.:

Ich habe spaßeshalber mal nachgerechnet. Nehmen wir mal, das Hüttchen auf den beiden Schwimmern ist 6 m lang und 2,3 m hoch; dann sind das 13,8 m². Dazu noch pauschal gut 2 m² für die Plattform, die Treppe, die Reling etc. gerechnet, dann sind wir bei ca. 16 m² Seitenfläche. Der cw  – Wert eines solchen zerklüfteten Quaders ist hoch; ich schätze ihn vorsichtig auf 1,5. Nehmen wir jetzt an, wir haben Windstärke 5, das sind z.B. 8,5 m/s Windgeschwindigkeit. Wir können mit

PLuft = rho/2 * cw * A * v3

die Luftwiderstandsleistung errechnen: (rho: Luftdichte, ca. 1,2 kg/m³, A: angeströmte Fläche in m², v: Strömungsgeschwindigkeit in m/s), Aus unserem Zahlenbeispiel errechnen sich 8,6 kW, also knapp 12 PS.

Wenn der Wirkungsgrad des Propellers bei (optimistischen) 75% liegt, kommen von den 15 PS des Motörchens gerade mal 11,25 PS wirksam als Schubleistung an. Das ist weniger Leistung, als der Wind gegen die Seite des Haus-„Boots“ drückt! Das Ding ist also schon bei Windstärke 5 ein hilfloser Spielball der Elemente. Realistisch wird man davon auszugehen haben, dass es schon etwa ab 3 oder 4 Beaufort kaum noch manövrierfähig ist. Viel Spaß damit.

Schleusenstreiks nerven. Aber …

Samstag, August 3rd, 2013

Im Januar 2011 hatte ich in einem Blogpost über das hausgemachte Hochwasser an der Dahme verärgert gefragt, ob die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung vielleicht an die Börse gehen will. (Sie schien nämlich ihre Infrastruktur ebenso gnadenlos auf Verschleiß zu fahren wie die Deutsche Bahn). Tja, man kann so sehr überspitzen wie man will: es zeigte sich, dass ich damit nicht so völlig falsch lag. Vom Börsengang ist zwar (noch?) nicht die Rede, aber das Zauberwort Privatisierung steht auch im Mittelpunkt der „Reform“ der WSV, die man sich im Bundesministerium für Verkehr ausgedacht hat.

Ich gebe zu: wer schon einmal mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin zu tun hatte, kann durchaus der Meinung sein, dass dieser Behörde eine Reform gut anstünde. Eine Reform, die vielleicht dazu führen würde, dass man dort etwas bürgerfreundlicher wird.

Aber das wäre natürlich zu schön um wahr zu sein. Wir können zuversichtlich davon ausgehen, dass Verkehrsminister Ramsauers „Reform“ das Gegenteil bewirken wird.  Es werden zwar eine Menge Arbeitsplätze wegfallen, dies wird aber wohl überwiegend diejenigen treffen, die etwas Nützliches tun, also die Schleusenwärter/innen, die Arbeiter und Arbeiterinnen bei der Instandhaltung etc. „Leitende Stellen“ hingegen wird es wahrscheinlich danach eher mehr geben als zuvor. Die Berliner S-Bahn hat vorexerziert wie das geht – und wohin es führt. Die Gewerkschaft ver.di (der man nicht alles glauben muss, aber hier halte ich ihre Einschätzung für realistisch) geht davon aus, dass durch die „Reform“ 2.500 Facharbeiter/innen-Stellen wegfallen werden.

Die durch den Stellenabbau geschwächten Wasser- und Schifffahrtsämter werden nicht mehr in der Lage sein,  das gesamte Netz der Wasserstraßen instand zu halten. Und hier kommen unsere Interessen ins Spiel, nicht nur die der Charterunternehmen, sondern die aller Bootfahrer, vor allem im Osten Deutschlands. Denn ein Kern der Reform ist auch die Kategorisierung der Wasserstraßen in drei Gruppen. Praktisch alle Wasserstraßen im Osten Deutschlands (außer der HOW und der SOW) fallen dabei in die dritte Gruppe der „sonstigen Wasserstraßen“, auf denen kaum noch Güterverkehr stattfindet.

Das betrifft – um nur ein paar Beispiele zu nennen – die Obere Havel, die Templiner Gewässer, die Müritz-Havel-Wasserstraße, die Dahme-Gewässer … Fast alle Seen, Flüsse und Kanäle, auf denen wir mit unseren Booten unterwegs sind.  Diese sollen aus der Verantwortung der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes an Dritte abgegeben werden. Ramsauer schwebt dabei offensichtlich vor allem die Übernahme durch private Betreiber vor. Vielleicht wird die eine oder andere Wasserstraße auch (notgedrungen) von einem Bundesland übernommen.

Wie auch immer: Diese Zerstückelung wird mittelfristig dazu führen, dass die Gewässer  verkommen, versanden und verlanden. Stellen wir uns doch mal vor, die Schleusen der Oberhavel werden von einem privaten Betreiber betrieben. Mal abgesehen davon, dass er das nicht umsonst tun wird: was wird wohl passieren, wenn er insolvent wird? Oder nicht in der Lage (oder willens) ist, eine Schleuse aufwendig instand zu setzen? Die OHV ist dann eben mal eine Saison nicht mehr passierbar. Durch mangelnde Benutzung vergammeln dann auch die anderen Wasserbauwerke, letztlich auch auf den verbundenen Wasserstraßen. Und natürlich brechen auch die Einnahmen möglicher privater Betreiber der angrenzenden Gewässer ein. In Nullkommanix ist eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt. Und das war‘s dann. Wenn wir uns vorstellen, dass das Land Brandenburg die Oberhavel  betreut, ist das nicht viel besser. Schon jetzt sind die – bisher wenigen -Landeswasserstraßen in einem bedenklichen Zustand – das wird nicht besser werden.

Wenn das einzigartige historisch gewachsene Wasserstraßennetz Deutschlands erhalten bleiben soll und wenn wir auch in Zukunft die Möglichkeit haben wollen, von  der Müritz nach Teupitz und von Havelberg nach Oderberg zu fahren, muss diese “Reform“ verhindert werden. Insofern habe ich durchaus Verständnis für die Streiks, wenn sie auch manchmal verdammt lästig sein können.  Aber die streikbedingten Schleusensperrungen sind mit Sicherheit nur ein ganz milder Vorgeschmack auf das, was uns erwartet, wenn Wasserstraßenhasser Ramsauer mit  seinen Plänen durchkommt.

Mit dieser Einschätzung stehe ich zum Glück nicht alleine. Wohl so ziemlich alle, die mit dem Wassersport in Deutschland verbunden sind, machen Front gegen die „Reform“. Viele Informationen dazu findet man auf der Seite des Bezirkssportbundes Treptow-Köpenick (Untermenü „Bundeswasserstraßen“).