Archive for the ‘Revier-Tipps’ Category

Mit Anna Karenina dem Spreewald entgegen

Montag, Mai 16th, 2016

Einer der ersten Touren im diesjährigen kühlen April ging gleich in eine noch wenig befahrene Richtung. Familie G. aus Schwäbisch Hall machte sich auf den Weg, um spreeaufwärts den Schwielochsee zu erreichen. Und war sehr angetan vom Revier und vom Boot. Mit freundlicher Genehmigung darf ich den Bericht, der uns von unterwegs per Mail erreichte, hier veröffentlichen:

„Es ist schön warm – wir genießen die Heizung jede Minute. Die wenigen Menschen, die wir bisher getroffen haben, kommentierten alle unsere Fahrt mit der Frage „ob es jetzt nicht doch etwas zu kalt sei“?

Von Wernsdorf bis Goyatz, an der Südspitze des Schwielochsees, und wieder zurück waren wir fast alleine auf dem Wasser, ein holländisches Boot hat uns überholt, zwei kleine Motorboote kamen uns an der Schleuse Fürstenwalde entgegen.

Von der Einmündung des Neuhauser Speisekanals in den Oder-Spree-Kanal bis Beeskow ist das schönste Teilstück der Strecke zum Schwielochsee, kaum Bebauung, mitten in der Natur – wir waren ganz allein.

Bei Mittelwasser (Pegel Neuhaus) hatten wir nur selten weniger als 0,7 m* auf dem Tiefenmesser bis Beeskow.

Bei Fischers Fritze in Beeskow kurz nach der Schleuse spreeaufwärts bekamen wir frische Forellen; Hecht und Zander hätte es auch, aber erst nach 16 Uhr gegeben… Freundlicherweise durften wir für diesen Einkauf beim Privatsteg vom Bootshaus Beeskow kurz anlegen.

Zwischen Beeskow und dem Schwielochsee wird es dann noch etwas flacher, wenn die Spree versandet – wir hatten stellenweise nur noch 0,3 m* auf dem Tiefenmesser. Der Pegel in Neuhaus war konstant, eher leicht steigend und Niederschläge waren angesagt; wir machten uns daher keine Sorgen und auch der Rückweg war problemlos. Für die obere Spree ist eine Fahrwassertiefe von 1,2 m angegeben.

In Goyatz sind Tankstelle u. Fäkalienservice erst ab 1. Mai in Betrieb, wenigstens konnten wir am Automaten Frischwasser bunkern. Im Yachthafen lagen wir ruhig bei angesagten 5-7 Windstärken; der starke Wind blieb aber aus, dafür begann es zu regnen und später zu schneien. Nachdem klar war, dass auch in der Marina Beeskow die Abwasserentsorgung noch nicht in Betrieb ist, haben wir dem Hafenmeister telefonisch mitgeteilt, wo wir die Hafengebühr versteckt haben und uns auf den Weg zurück nach Niederlehme gemacht, offenbar der einzigen verlässlichen Service-Station vor dem 1. Mai.

Die zweite wie auch die vierte Nacht verbrachten wir in dem kleinen Wergensee, direkt hinter der Schleuse vom Neuhauser Speisekanal – außer Vogelgezwitscher hörten wir nur den Wind. Von der Zivilisation sahen wir nur die Lichter der Schleuse am fernen Ufer in der Nacht. Einer der schönsten Ankerplätze, die wir bisher gefunden haben.

Neben der Heizung sind wir von der Stromversorgung total begeistert, insbesondere von dem neuen Anzeigeinstrument: bei meist nur etwa 1200 U/min Drehzahl, auf der Fahrt vom Wergensee nach Goyatz, haben wir es trotz Solarunterstützung nicht geschafft in etwa 5,5 Std. Fahrtzeit die Akkus von 78% wieder vollständig aufzuladen. Bei 1200 U/min hatten wir „nur“ einen Ladestrom von etwa 20-25A; bei 1400 U/min waren es etwa dagegen 45A, während bei 1.000 U/min der Ladestrom mit etwa 5 A sogar negativ war. Am Vortag, auf der Fahrt vom Seddingsee Richtung Fürstenwalde, haben wir für die Aufladung der Akkus von 85% bis 100% nur etwa 3 Std. benötigt, bei meist 2.000 U/min. Heute werden die Akkus aber sicher wieder voll, wir haben ja noch ein paar Stunden vor uns, auf dem Weg zum Dolgensee…

Wir genießen jeden Moment auf Ihrem wunderbaren Boot.“

 

*unter dem Kiel

Hotel-Hopping mit Lucia

Montag, Juli 20th, 2015

Gastbeitrag von Benedikt Mayer

Nachdem ich wochenlang die Website von „Anna-Blume-Charter“ und die Gewässerkarten um Berlin studiert hatte, hielt ich es nicht mehr aus: Ich buchte für eine Woche die Sloep „Lucia“. Meiner Frau und mir erschien der Vorschlag des „Hotel-Hopping“  sehr verlockend. Um es vorweg zu nehmen: es war richtig, richtig schön!

An einem Montag bestiegen wir bewaffnet mit 2 Koffern die S-Bahn nach Königs Wusterhausen, wechselten dort in den Bus nach Niederlehme und standen wenig später auf dem Steg in der Marina. Vor uns wiegte leicht im Wasser der Dahme die Sloep, die für die nächsten Tage der Mittelpunkt unseres Kurz-Urlaubs sein sollte. Sehr sympathische Linien, dezente Klasse, viel Platz für zwei Leute, kompakte Außenmaße; das Cabrio-Verdeck versprach ausreichend Schutz vor den drohenden Regengüssen. Schon kroch das Gefühl des Sich-Zeit-Lassens in unsere Köpfe.

Entsprechend ausgiebig geriet die Einweisung durch das freundliche Personal der Marina; vieles an der Sloep ist selbsterklärend. Schließlich machten wir die Leinen los und tuckerten langsam dahmeabwärts nach Norden. Unser erstes Ziel war das Hotel Dämeritzsee. Weil das Wetter nicht unser Vertrauen genoss, wollten wir zunächst möglichst schnell dort einchecken. Im Gosener Kanal holten uns aber die Wolken ein und ein kräftiger Schauer testete das Verdeck auf Dichtigkeit. Vor dem Hotel machten wir am Gelbe-Welle-Anleger fest, bezogen unser Zimmer und genossen ein spätes Mittagessen. Danach lockte uns der Sonnenschein zu einer ausgiebigen Erkundungsfahrt nach Klein-Venedig, auf den Flakensee und in die Löcknitz. Der hereinbrechende Abend auf der Hotelterrasse war ein Bilderbuch-Abschluss für den ersten Urlaubstag.

Waldhaus Prieros

Am zweiten Tag wollten wir in das Waldhotel Prieros am Streganzer See erreichen; wir hatten dort für zwei Nächte reserviert. Dazu mussten wir den Weg zurück an der Marina Niederlehme vorbei nehmen. Um ein Gefühl für den Diesel-Verbrauch der Sloep zu bekommen, tankten wir in Königs Wusterhausen. Zufrieden konnten wir feststellen, dass „Lucia“ mit knapp über 1 l Diesel pro Stunde auskam: wir würden ohne Tanken über die Woche kommen. Nach einer geruhsamen Fahrt (zwei Schleusen) erreichten wir das Hotel tief im Wald südöstlich von Prieros, machten am großen Steg fest und stiegen über den herrlich terrassierten Garten zum Hauptgebäude hinauf, einer Villa aus der Gründerzeit. Die Zimmer waren in kleineren Gebäuden im Wald verteilt. Die zwei Nächte dort, die Wanderungen durch den Wald, die Abendessen über dem spiegelglatten Streganzer See: sie waren perfekte Entspannung.

Am dritten Tag fuhren wir die Teupitzer Seenkette bis zum Ende und langsam wieder zurück. Wir waren inzwischen ganz begeistert von Lucias Fahreigenschaften: Sie liegt gut am Ruder, ist sehr wendig und dreht auf dem Handteller; dabei ist der Innenbord-Diesel fast nicht zu hören. Immer wieder schreckten wir Reiher, Kormorane oder Haubentaucher auf, die uns erst spät bemerkten. Wenn die elegante Sloep aber von Mitmenschen entdeckt wurde, folgten ihr wohlwollende Blicke und oft auch freundliche Worte.

Storkower Kanal

Nach dem Abschied vom Waldhotel Prieros tuckerten wir die lange Etappe bis nach Bad Saarow am Nordende des Scharmützelsees. Die Fahrt war sehr abwechslungsreich über den einsamen Wolziger See, den verwinkelten Storkower Kanal und die bilderbuchmäßige Storkower Schleuse. Auf dem Scharmützelsee herrschte reger Verkehr, vor allem die zahlreichen Segelschiffe forderten Aufmerksamkeit. Trotzdem blieb Zeit, die Dimension des Sees zu genießen. In der Marina an der Freilichtbühne Bad Saarow legten wir schließlich an und suchten unser Hotel auf, das in der dritten Reihe hinterm Strand mit moderaten Preisen lockte. Zwei Nächte blieben wir hier in freundlicher Familien-Atmosphäre.

Nach einer ausgiebigen Besichtigung von Bad Saarow samt Auffrischung unserer Bord-Vorräte zog es uns bei herrlichem Sonnenschein aber doch wieder auf’s Wasser. Wir dümpelten am Ostufer nach Süden, machten immer wieder halt, schwammen, lasen oder verkosteten das eben eingekaufte Picknick.

Dann war unser letzter Tag mit Lucia schon da. Die leise Wehmut beim Einstieg wich schnell dem Genuss des Morgens auf dem weiten Scharmützelsee. Hier wurden wir (endlich einmal) von der Wasserschutz-Polizei kontrolliert, die zufrieden feststellte dass Papiere und Ausrüstung lupenrein und vollständig waren.

Auf dem Scharmützelsee

Der Respekt vor der Länge der Etappe zurück nach Niederlehme erwies sich als unbegründet. So blieb genug Zeit für eine ausgiebige Mittagspause auf dem Wolziger See. Aber letztlich konnten wir der abendlichen Rückgabe „unserer“ geliebten Sloep nicht entkommen. Der Tankstopp kurz vor Fahrtende bestätigte unsere Schätzung über „Lucias“ Genügsamkeit.

Die Woche „Hotel-Hopping mit Lucia“ erwies sich als außerordentlich geruhsam und abwechslungsreich. Das Buchen der Hotels per Telefon war problemlos in 15 Minuten erledigt. Weil wir erst gegen Ende August unterwegs waren, entkamen wir den Mückenschwärmen. Das Gleiten über Seen und Kanäle durch Natur und Siedlungen hat mit dem berühmten „Blick vom Wasser aus“ einen großen Reiz. Die Entschleunigung der Fortbewegung im Boot in Verbindung mit den bequemen Übernachtungen in den Hotels und ausgiebigem Studium der Frühstücksbuffets war nachdrücklich erholsam. Und es war einfach herrlich, als wir an der Hotel-Rezeption auf die Parkmöglichkeit hingewiesen wurden und antworten konnten: „Vielen Dank, aber wir sind mit dem Boot da!“

Mit dem Boot in den Garten II

Montag, Juni 1st, 2015

Inzwischen haben die ersten unserer Gäste Kurs auf die BUGA genommen und waren sehr angetan. Ein Besuch scheint sich wirklich zu lohnen. (Schande über uns – wir waren noch nicht da.) Den folgenden Bericht veröffentliche ich nebst Foto mit freundlicher Genehmigung des Autors, Matthias Köhler. Familie Köhler hat auf unserem Piet Hein die Schönheit der brandenburgischen Gewässer entdeckt. Nun sind sie – ich muss sagen leider 🙂 – schon seit einiger Zeit stolze Eigner einer schmucken Pedro Donkey. Und Überraschung: An der BUGA-Anlegestelle in Brandenburg machte plötzlich ein alter Bekannter direkt nebenan fest: Piet Hein.

Der BUGA-Anleger ist im Bereich „Packhof“, also dem kleineren der beiden BUGA-Gelände in der Stadt Brandenburg. Das große Gelände am Marienberg ist aber fußläufig zu erreichen, man kann auch für einen Euro eine Teilstrecke mit einer der BUGA-Fähren fahren. Dann kommt man von dort erst mal an der Kirche mit der Blumenschau vorbei.

Man kommt dorthin, wenn man nach dem Durchfahren der (Vorstadt-) Schleuse Brandenburg nicht weiter geradeaus in den Silokanal fährt, sondern gleich links in die Brandenburger Havel abbiegt. Diese Hafenanlage ist dann am linken Ufer. Man kann auch vorab telefonisch einen Platz reservieren, die Nummer habe ich aber nicht. Kosten pro Nacht: 15 EUR. Die Leute müssen sich aber darüber im Klaren sein, dass man dort echt „mittendrin“ ist, also Tausende Menschen laufen direkt am Boot vorbei. Ich fand es ja gut, mal direkt mitten in der Stadt zu liegen, und dadurch Teil des Spektakels zu sein. Romantische Ankerplätze hat man ja woanders genug… 🙂

500 Meter weiter am rechten Ufer ist dann noch eine kostenlose öffentliche Liegestelle (keine Boxen, sondern längsseits an einer Schwimmsteganlage).Dort war aber immer alles voll, während es auf „unserer“ Seite immer etliche freie Boxen gab. Die sind unterschiedlich groß, da passt von Piet Hein bis Anna Karenina alles rein.

Es gibt dort aber auch Unmengen privater Liegemöglichkeiten rund um die Stadt. Von Niederlehme durch den Teltowkanal bis dorthin sollte man aber wohl zwei entspannte Tage einplanen, für einen Tag ist das zu viel Strecke.

Matthias Köhler

Mit dem Boot in den Garten

Mittwoch, April 22nd, 2015

„Fünf sind eins. Deins.“ Das ist der Slogan der Bundesgartenschau 2015. Sie findet nämlich an fünf verschiedenen Orten statt – aber in einer Region, dem Havelland. Und schaut man näher hin, merkt man: Vier der fünf Orte (Brandenburg, Premnitz, Rathenow und Havelberg) liegen direkt am Fluss und sind mit dem Boot erreichbar. Und der fünfte (Stölln) ist vom Anleger in Hohenauen nur 12 km entfernt, also in Fahrradentfernung.

Wenn es sich da nicht anbietet, die Bundesgartenschau mit dem Boot zu erkunden! An jedem Standort kann man verweilen, solange man Lust hat, und in Ruhe die Gärten anschauen – ohne Fahrstress und Hotelbuchungen.

Eine Tour von Niederlehme nach Havelberg könnte z.B. wie folgt aussehen:

Niederlehme – Hafen Steglitz (Teltowkanal/MRC) – Potsdam – Ketzin – Brandenburg – Premnitz – Rathenow – Hohennauen (von hier mit dem Rad nach Stölln) – Havelberg

Das wären bequeme Etappen, mit 8 Übernachtungen. Das Ganze ist mit Rückfahrt locker in 2 Wochen zu schaffen. Natürlich lässt sich die Tour durch Weglassen/Erweitern vielfältig variieren. Die BUGA hat eine sehr schöne und informative Website der man detaillierte Informationen entnehmen kann. U.a. gibt es genaue Lagepläne aller Standorte.

Gourmet-Törn

Montag, September 15th, 2014

Einer der vielen Vorzüge unseres neuen Hausreviers sind die gastronomischen Highlights, die man optimal vom Wasser aus erreichen kann. An erster Stelle zu nennen wäre wohl das Café Dorsch, dessen Küche schon überregionalen Ruf genießt. Das Café Dorsch liegt auf etwa halber Höhe am westlichen Ufer des Scharmützelsees. Es verfügt über einen eigenen Anlegesteg. In einer ähnlichen Liga spielt das Hotel/Restaurant Alte Eichen, ebenfalls am Scharmützelsee, etwas weiter nördlich. Und auch im Restaurant des Hotel Esplanade, im Zentrum von Bad Saarow, kann man dem Vernehmen nach sehr gut essen. Der Scharmützelsee ist von Niederlehme eine gute Tagesreise entfernt.

Zu Recht (nicht nur) bei Bootfahrern beliebt ist das Restaurant der Fischerei Blossin, ebendort am Westufer des Wolziger See. Wenn man beispielsweise am Morgen in Niederlehme losgefahren ist, bietet es sich an, dort zum Mittagessen anzulegen und sich z.B. Wels im Kartoffelmantel schmecken zu lassen. Oder man kauft frischen Fisch und bereitet ihn selbst an Bord zu.

Etwa gleich weit entfernt liegt  in Prieros am Streganzer See (linkes Ufer oberhalb der Schleuse Prieros), das weniger bekannte aber sehr empfehlenswerte Waldhaus Prieros. Dieses Hotel/Restaurant zeichnet sich durch seinen wunderbaren Garten und eine sehr ordentliche Küche aus.

In unmittelbarer Nähe unseres Stützpunktes – man könnte fast sagen schräg gegenüber – befindet sich das Seehotel Zeuthen mit seinem ambitionierten Restaurant. Das Seehotel bietet sich z.B. als Schlussetappe am Vorabend der Bootsrückgabe an. Von dort bis zum Marineservice Niederlehme ist man mit dem Boot nur noch etwa eine Viertelstunde unterwegs – man kann sich also noch in aller Ruhe am Frühstücksbüffet des Hotels laben, bevor man wieder den Heimathafen anläuft.

Länger schlafen

Freitag, März 14th, 2014

Na immerhin: In dieser Saison ist die Sperrzeit, während der Boote ohne Funk nicht durch die Berliner Innenstadt fahren dürfen, um 1 1/2 Stunden verkürzt worden. Man kann am Morgen bis 10:30 Uhr statt nur bis 9:00 Uhr durchschlüpfen. Somit wird das – z.B. vom Anleger Charlottenburg auf der westlichen oder von der Insel der Jugend auf östlicher Seite – auch für diejenigen Skipper wieder etwas angenehmer, die es nicht so mit dem Frühaufstehen haben 😉 .

Storkower Gewässer

Montag, August 12th, 2013

Ein Wochenend-Törn mit Lucia im August 2013

Hier im Süden dominieren die Eignerboote. Viele kleine Bötchen mit Außenbordern sind unterwegs, aber auch einige große Motoryachten und Segler mit gelegtem Mast, die den Scharmützelsee ansteuern. Hingegen sehen wir auf der gesamten Tour nur eine einziges Un-Boot und sind – zugegeben – auch nicht wirklich traurig darüber.

Klappbrücke in Storkow

Die Storkower Gewässer zweigen bei Prieros vom rechten Ufer der Dahme in östlicher Richtung ab.  (Über die Strecke von Köpenick bis hierher – im Kielwasser der Sphinx – hatte ich schon berichtet.) Als erstes passieren wir dort zwei Seen. Am Westufer des größeren liegt die Fischerei Am Wolziger See – ein recht beliebtes Ausflugsziel. Hier kann man sich üppige Mahlzeiten aus Zander, Wels und Co servieren lassen.

Storkower Kanal

Der Storkower Kanal, der sich östlich anschließt, ist perfekt zum Bootfahren: Er ist hübsch, nicht überlaufen und bietet zahlreiche angenehme Wasserwanderrastplätze: Den ersten schon kurz hinter der Brücke bei Wolzig; weitere folgen bei Kummersdorf, Philadelphia (sind das nicht wundervolle Ortsnamen?) und in Storkow selbst. In der Storkower Schleuse plaudern wir mit einem freundlichen Segler. Wir folgen seinem Rat und machen nicht am Stadtanleger fest. Stattdessen fahren wir unter der Klappbrücke hindurch und halten uns auf dem Storkower See hart backbord. Man kann beim Ruderverein oder etwas weiter nördlich bei den Seglern anlegen. Dazwischen, neben dem Storkower Freibad, gibt es ein Steakhouse, das zwar direkt am See liegt, aber keinen eigenen Anleger hat. Das Rumpsteak ist zart und genau auf den Punkt gegrillt, das Lamm ebenfalls köstlich. Empfehlenswert –  auch vom Preis-Leistungs-Verhältnis.

Als wir bei den Ruderern ablegen – natürlich nicht ohne zuvor einen Obulus für die Kaffeekasse zu hinterlassen – dräuen von Westen her schwarze Wolken. Also legen wir ausnahmsweise mal den Hebel auf den Tisch und brausen mit Lucia über den Storkower See dem Unwetter davon. Und mir wird wieder klar, warum die kleine Sloep mein heimliches Lieblingsboot ist. Der feine kräftige Vierzylinder* bringt sie locker zum Halbgleiten mit 20 km/h, und dabei liegt die Sloep genauso leicht am Ruder und fährt genauso präzise geradeaus wie bei leise tuckernder Kanalfahrt mit 8 km/h. Hach.

Schleuse Wendisch Rietz

Tatsächlich erwischen uns dann nur ein paar Tropfen beim Warten vor der Schleuse Wendisch Rietz. Von den drei Schleusen der Storkower Gewässer gibt es nur in Kummersdorf (noch?) einen Schleusenwärter. Die anderen beiden sind automatisiert. Das funktioniert im Großen und Ganzen problemlos, jedenfalls wenn man seine großstädtische Ungeduld zuhause lässt; denn die automatischen Schleusen sind so programmiert, dass sie – hm – recht behutsam zu Werke gehen.

Wendisch Rietz hat sich seit unserem letzten Besuch ebenfalls behutsam, aber durchaus zu seinem Vorteil entwickelt. Das gastronomische Angebot ist breiter geworden und insgesamt ist man jetzt viel stärker auf Besucher eingestellt. Touristischer Kern von Wendisch-Rietz ist das Hafendorf und der Ferienpark. Wir widerstehen der Versuchung, auf  dem Boot zu übernachten – schließlich müssen wir recherchieren 😉   – und ergattern im „Seehotel am Südhorn“ das letzte Doppelzimmer.

Das brandneue Hotel wird von einer jungen und überaus freundlichen Crew engagiert gemanaget. Das Zimmer ist geräumig und freundlich eingerichtet. Das Bad ist topp.  Wir sind angenehm überrascht. Und auch das Essen im Hotelrestaurant verdirbt uns nicht die gute Stimmung – im Gegenteil.

Anleger in Wendisch Rietz

Vom Gelbe-Welle-Anleger zum Seehotel muss man gut 10 Minuten Fußweg rechnen, weil man erst auf der Brücke den Kanal überqueren muss. Viel kürzer ist es von der auf der anderen Seite gelegenen Marina des Hafendorfes, dort waren aber am Samstagabend schon alle Gastliegeplätze besetzt. Wendisch Rietz wird durch das schöne Seehotel zu einem sehr geeigneten Ziel, wenn man mit der Sloep stilvoll reisen und dabei abends nicht auf Komfort verzichten möchte. Wer mag, kann natürlich auf dem Scharmützelsee auch noch ein paar Kilometer weiter nordwärts fahren. Dort findet man mit dem A-Rosa (am Westufer) und mit dem Esplanade (in Bad Saarow) auch ausgesprochene Luxus-Herbergen.

Auf dem Scharmützelsee

Der Scharmützelsee ist mit seinen knapp 10 km Ausdehnung in Nord-Süd-Richtung ein respektables Segelrevier. Aber auch mit der Sloep haben wir großen Spaß daran, durch das kristallklare, in der Morgensonne glitzernde Wasser zu pflügen. Die hervorragende Wasserqualität kommt auch dem Storkower Kanal zugute. Schon in der Schleuse Kummersdorf staunt man, wie klar das Wasser ist, das in die Schleusenkammer strömt.

Wir haben es erneut getestet und wieder für gut befunden: Der Törn von Niederlehme zum Scharmützelsee ist eine wahre Freude und zum sloepen hervorragend geeignet.

*Dieser 42-PS- Diesel auf Basis Mitsubishi ist vielleicht der beste Motor, den Vetus im Angebot hat

Man baut!

Montag, Juli 29th, 2013

Es ist tatsächlich nicht bei Vorankündigungen geblieben, und auch nicht bei einem schönen Schild.

Nein, am Langen Trödel sind die Bagger angerückt. In Liebenwalde nimmt der neue Hafen schon langsam Form an, der 32 Booten Platz bieten soll – direkt neben der bisherigen Marina auf der anderen Seite der Brücke. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis man von Liebenwalde direkt zum Finowkanal wird fahren können. Wie viel Zeit? Nun, wir werden sehen …

Neues vom Trödel

Dienstag, April 23rd, 2013

Wer braucht Flughäfen? Die Zukunft gehört der Binnenschifffahrt!

Ich hatte schon mehrfach darüber berichtet. Und jetzt scheint es langsam ernst zu werden: am Langen Trödel wird gebuddelt. Jedenfalls vermeldet ELWIS ab Juni zeitweilige Beeinträchtigungen an der HOW wegen der Baumaßnahmen. Natürlich wird man nicht bis Ende 2013 fertig werden, aber jetzt wird wirklich gebaut. Die üblichen „unvorhersehbaren“ Probleme und Verzögerungen eingerechnet ist mein Tipp: Einweihung im Spätsommer 2015. Immerhin! Wetten, dass der Lange Trödel jedenfalls vor dem Flughafen BER fertig gestellt sein wird?

Zu Fuß die Spree entlang

Sonntag, März 17th, 2013

Während des ganzen vergangenen Sommers blieb die Berliner Stadtspree Booten mit Funk vorbehalten und war damit de facto für Charterboote gesperrt (wir berichteten darüber). Und es sieht so aus, als würde sich auch in dieser Saison daran nichts ändern. Um Berlin mit dem Boot zu durchqueren, muss man entweder außerhalb der Sperrzeiten durchrutschen  (vor 9:00 Uhr am Morgen oder nach 19:00 Uhr abends) oder den Landwehrkanal befahren. Letzteres geht aber nur in Ost-West-Richtung, von der Ober- zur Unterschleuse, der Kanal ist eine Einbahnstraße.

In den Brandenburgischen Südosten und zurück kommt man bequem, indem man die Stadt über den Teltowkanal südlich umfährt. Wer aber den Bootstörn mit Berlin-Sightseeing verbinden will, muss etwas vorausplanen. Unser Tipp für die Berlin-Reise per Boot: außerhalb der Stadtspree festmachen und die Stadt zu Land erkunden. Wer – was ich gut verstehen kann – in Sichtweite des Flusses bleiben will, kann in Berlin dem Lauf der Spree auch sehr gut zu Fuß folgen. Unten stehend ist verkleinert die westliche Hälfte des Weges skizziert. Ein Klick führt zur vollständigen großen Karte.

Von den eingezeichneten Liegemöglichkeiten befindet sich nur der 24-h-Anleger am Schiffbauer Damm innerhalb der Funkzone, und der Anleger am Spreekanal ist auch 2013 möglicherweise gesperrt. Für alle die von der Havel nur einen kurzen Abstecher nach Berlin machen wollen, bietet sich das Charlottenburger Ufer zum Anlegen an. Denjenigen, die in den Südosten fahren (oder von dort schon auf dem Rückweg sind), sei v.a. der Anleger an der Insel der Jugend in Treptow empfohlen.

Vom Charlottenburger Schloss im Westen bis zum Plänterwald im Südosten (oder umgekehrt) können wir über lange Passagen ungehindert an der Spree entlang wandern.  Ab und zu müssen wir über eine Brücke die Seite wechseln, in der gesamten Innenstadt aber (zwischen Lessingbrücke und Jannowitzbrücke) können wir uns sogar die Seite aussuchen.

Charlottenburger Schloss, Haus der Kulturen, Reichstag, Kanzleramt, Museumsinsel … der Spreewanderweg führt mitten durch die Stadt und lässt uns ein gutes Stück Berlin sehen. Und nicht nur die traditionellen Sehenswürdigkeiten im Zentrum oder im Westen: Auch die heiß umkämpften Areale am Friedrichshainer Spreeufer (unweit der Veranstaltungshalle O2-World) mit der berühmten Eastside-Gallery gehören dazu.

Die gesamte Strecke vom Anleger in Charlottenburg bis zu dem an der Insel der Jugend ist ca. 17 km lang – eine lockere Tagesetappe. Von beiden Anlegern ist die S-Bahn recht gut zu erreichen (Treptower Park im Osten bzw. Jungfernheide im Westen) , sodass man nach getaner Arbeit bequem zum Ausgangspunkt zurückreisen kann (sogar ohne Umsteigen, Fahrzeit ca. 30 min).